Fächerbräu

Quelle: Fächerbräu

Hallo, damit die Leser erstmal mehr über euch erfahren, stellt euch doch erstmal grob vor.

Wir sind drei Karlsruher und schon lange befreundet. Einer von uns hat früher im demeter-Landbau als Bauer gearbeitet, und das ist dann auch unser Experte, wenn es um die Auswahl der regionalen Rohstoffe in Bio-Qualität geht. Ein weiterer ist gelernter Brauer, der mit unserem Biersommelier gemeinsam die Rezepturen entwickelt.

Was genau fasziniert euch so an Craftbier, und was war eure erste Erfahrung damit?

Letztlich fasziniert uns alle die Vielfalt und Kreativität, die sich mit den vier Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe zaubern lässt. Wir hatten immer gemeinsame Bierverkostungen gemacht, anfangs noch mit klassischen Bieren. Irgendwann wird man dann neugieriger und landet beim Craftbier – wobei das ja auch immer eine Definitionsfrage ist, was man darunter versteht.

Quelle: Fächerbräu

Richtig, Craftbier ist ja aktuell ein sehr dehnbarer Begriff, was versteht ihr darunter? Und was genau war so die Idee hinter euren Bieren und was ist daran das Besondere?

Für uns ist Craftbier das handwerkliche Brauen von Bier in kleinen Mengen. Wir selbst legen dabei Wert auf regionale, nachhaltige Zutaten in Bio-Qualität – weil das für uns selbstverständlich ist. Das schränkt natürlich bei der Vielfalt der Rohstoffe ein, aber dennoch holen wir das Maximale raus. Unsere Philosophie ist es, traditionelle Bierstile neu zu interpretieren. So haben wir unser Festbier obergärig gebraut. Es riecht wunderbar nach Waldhonig und schmeckt toll nach Karamell. Unser Pils haben wir mit einem Saphir-Hopfen gestopft, was einen tollen Zitrus-Geschmack nach Orangenschale mit sich bringt. Das hat uns dann auf die Idee gebracht, daraus ein Naturradler herzustellen, womit wir im Craft Bereich ziemlich einmalig sind. Hopfen und Malz aus aller Welt kann jeder besorgen, die große Herausforderung ist es, aus regionalen Zutaten das Beste rauszuholen – das ist für uns das wahre Craft Bier!

Wie seid ihr dazu gekommen, euch selbst an den Sudkessel zu stellen?

Das war ein langer Prozess. Neben den vielen Bierproben und –verkostungen, die wir gemacht haben, sind wir natürlich auch immer wieder auf Brauereitour gegangen und haben uns umgeschaut. Irgendwann stand dann im Freundeskreis bei KSC-Fans ein Oktoberfest an und dann haben wir angeboten, für das Oktoberfest ein Festbier zu brauen. Nach langer Suche sind wir dann in einer Brauerei im Landkreis Karlsruhe fündig geworden und konnten dort brauen. Die Zeit war knapp, so dass wir für ein untergäriges Festbier keine Zeit mehr hatten. Dann haben wir obergärige Hefe genommen und das Bier kam so gut an, dass wir daraufhin den Entschluss getroffen haben, weiter zu brauen. Das Festbier haben wir immer noch dauerhaft im Sortiment, weil es unglaublich nachgefragt wird.

Quelle: Fächerbräu

Momentan setzt ihr ja eher auf klassische Bierstile, auf welche Biere dürfen wir uns von euch noch so freuen?

Unser Ziel ist es schon, uns weiterhin an den klassischen Stilen zu orientieren und diese wie gesagt neu zu interpretieren. Ganz aktuell haben wir sehr aufwändig ein Weizen Ale gebraut. Die Weizenhefe für den ersten Sud wurde dafür in einem Karlsruher Braulabor in Reinzucht gestartet. Verwendet haben wir wieder regionale und biologische Rohstoffe. Gebraut haben wir im traditionellen Dekoktionsverfahren mit Whirlpool-Hopfung. Die Hauptgärung haben wir im offenen Gärbottich durchgeführt und schöpfen dort die Kräusenschicht ab – das wirkt sich sehr positiv auf den Geschmack und die Qualität des Bieres aus, weil wir dadurch kratzige Hopfenharze im Bier verringern und Fuselalkohole reduziert werden. Anschließend stopfen wir noch mit gutem Saphir-Hopfen.

Aktuell haben wir den ersten Sud in kleiner Menge produziert. Derzeit ist das Weizen Ale nur im Fass erhältlich.

Hochwertiger und handwerklicher kann man ein Bier heutzutage kaum mehr produzieren – mehr Craft geht nicht. Geschmacklich wirkt sich das sehr positiv aus: Das Bier hat ein tolles Bananenaroma, ist säuerlich-erfrischend und harmoniert wunderbar mit den Noten aus Gewürznelke und Orangenschale.

Aktuell seid ihr ja noch Gypsybrauer, plant ihr in der Zukunft in einer eigenen Brauerei zu brauen?

Klar, das ist unser Ziel. Wir haben da auch schon eine Location in Karlsruhe in Aussicht und arbeiten derzeit auf Hochtouren an einem Businessplan. Es ist geplant, einen Teil der Finanzierung über Crowdinvesting und Crowdfunding laufen zu lassen. Apropos Crowdfunding: Wir hatten im letzten Jahr auf der Bierbörse einen tollen Feuerwehr Beertruck, der nun leider verkauft werden soll. Jetzt brauchen wir als Alternative dringend und schnellstmöglich die Erweiterung eines Bierstandes. Demnächst startet unser erstes Crowdfunding Projekt. Wir würden uns sehr über Eure Unterstützung freuen. In Kürze gibt es dazu Infos auf http://crowd.faecherbraeu.de

Testbräu

Hallo, auf eurer Website erhält man schon einen groben Einblick über euch und eure Berufe: Ein Ingenieur, eine Biochemikerin und ein OP-Pfleger. Das ist ja ein bunter Mix an verschiedensten Aufgabenbereichen. Nun vereint euch das Bier. Wie habt ihr euch gefunden? Und wo habt ihr euch das erste Mal getroffen?

Um 2010, damals noch im Rahmen von elektronischer Clubmusik. Über gemeinsame Stammtisch- und Brauereibesuche, lokal wie auch international entwickelte sich die gemeinsame Leidenschaft. Wobei es sicher für jeden einzelnen eine Initialzündung gab:

Nicole: Der Moment der Geschmacksoffenbarung; das Bier vielfältiger sein kann als bisher angenommen erlebte ich auf der BKL mit dem ersten Schluck vom Simco3 von Riegele.

Dirk: Das dumpfe Gefühl, dass da noch mehr gehen muss als Weißbier, Helles und Pils. Finale Initialzündung war dann das Riegele Simco3 auf der Braukunst Live 2014.

Heiko: Besuch der BrewDog Brauerei in Ellon.

Was genau fasziniert euch so an Craftbier?

Heiko: geschmackliche Vielfalt, Überraschungen und Herausforderungen, Geschichten dazu und die Menschen dahinter, Verpackungsdesign.

Dirk: Im Prinzip all das was Heiko beschreibt. Vor allem die Nahbarkeit der Akteure. Im Idealfall kann man direkt mit den Brauern auf Messen oder bei Meet-The-Brewer Events über ihr Produkt sprechen. Dann die Kreativität mit der die Rohstoffe eingesetzt werden. Selbst wenn man bei den vier RHG-Zutaten bleibt, entstehen durch den kreativen Einsatz (oder die maßlose Übertreibung) völlig neue Geschmackserlebnisse.

Nicole: Das Handwerk. Mich als Labormaus faszinieren die biochemischen Abläufe. Auf der einen Seite die Herausforderung ein Bier immer wieder mit der gleichen Qualität herzustellen. Auf der anderen Seite stets neue Biersorten zu kreieren indem man nur wenige „Stellschrauben“ bzw. Rohstoffe verändert.

Wie seid ihr dazu gekommen, euch selbst an den Sudkessel zu stellen?

Heiko: Nach den ersten Geschmacksüberraschungen und der Erkenntnis, dass Bier nicht zwangsläufig Einheitsgeschmack bedeutet, habe ich mich mit dem Herstellungsprozess und den Zutaten beschäftigt. Von da war es nicht mehr weit.

Dirk: Heiko ist schuld! Hätte er nicht den allerersten Küchensud gemacht (und vermeintlich in den Sand gesetzt), hätte ich womöglich nie damit angefangen. Zwei Braukurse später hab ich mich dann auch an den Einkocher gewagt. Dass wir das Ganze in größerem, kommerziellen Maßstab machen, daran ist eigentlich die Bierkanzlei in Halle „schuld“, die unser Milk Stout für das Laternenfest aus dem Fass ausschenken wollten. Das war so der letzte Push.

Nicole: Ursprünglich standen wir ja mal wieder zu dritt auf einer Messe und haben nach diversen Bierproben beschlossen, dass wir in 2 Jahren als Aussteller auf der Messe stehen. Damals haben wir uns selbst belächelt und nicht ernst genommen, auch wenn es insgeheim für jeden ein Traum war. Dass es jetzt soweit gekommen ist haben wir auch Freunden zu verdanken, die uns angetrieben und Mut gemacht haben unser Hobby und unsere Braueskapaden kommerziell zu betreiben.

Was war die Idee hinter euren Bieren? Was ist daran das Besondere?

Momentan haben wir drei relativ unterschiedliche Biere auf dem Markt, die doch auch recht unterschiedliche Entstehungsgeschichten haben. Wir testen unsere Ideen immer noch in der Küche mit 10-30 Liter Suden bis sie uns zu 100% zusagen. Da wird natürlich viel experimentiert und die Ergebnisse sind auch nicht immer das Gelbe vom Ei. Oder eben doch.

So zum Beispiel das Sorachi Blanche, das eigentlich ein mildes, leichtes Weißbier hätte werden sollen. Da haben wir uns dann aber mit der Hefe vertan und herausgekommen ist ein Bière Blanche, also ein Weizenbier belgischer bzw. nordfranzösischer Art. Zusammen mit der Kräuternote des Hallertauer Sorachi Ace bekommt es Witbier Charakter.

Das Sorachi Blanche Himbeere war mehr oder weniger aus der Not geboren, weil einer der ersten Testsude des Sorachi Blanche recht wenig Stammwürze hatte. Um dem Ganzen etwas mehr Wumms zu verleihen, haben wir eine Ladung Himbeeren in die Nachgärung geschüttet. Das war dann so gut, dass wir auch das groß gebraut haben. Ohne Kompromisse was die Menge an Himbeeren angeht. Da würde das BWLer Herz weinen. Zum Glück hat keiner von uns eins.

Das Milk Ice Cream Stout fußt auf einem unserer aller ersten Rezepte, einem kräftigen Milk Stout. Wie schon erwähnt haben wir das Rezept dann für unseren allerersten großen Sud für ein sommerliches Straßenfest dahingehend abgewandelt, dass es leichter ist und auch im Sommer ganz gut geht. Die Kombination von Pale Chocolate Malz und der Laktose ergibt ein Aroma, das einem Milcheis ziemlich nahe kommt. Achso: wenn man es mit einer Kugel Vanilleeis floatet hat man alkoholischen Eiskaffee. So als Tipp wenn es wieder wärmer wird.

Ihr habt ja schon eine ganze Bandbreite an Bieren gebraut. Auf welche Biere dürfen wir uns von euch noch so freuen?

Das Blanche Rezept ist die ideale Leinwand, um einzelne Hopfen zu präsentieren. Angefangen haben wir mit Sorachi Ace, die nächste Version wird ein Single Hop Blanche mit Citra werden. Was dann kommt: Schauen wir mal, aber Belma oder eine der slowenischen Sorten sind in der Diskussion. Unseren Rauchweizenbock Kremator kennen eventuell einige schon von den letzten Messen, der wird auch bald in Flaschen verfügbar sein. Und weil wir ja ursprünglich aus der elektronischen Clubmusik kommen: ein ordentliches Sour, benannt nach DEM Acidhouse Synthesizer TB-303 ist auch in der Testphase. Aciiiid! Unser Sorachi Himbeere haben wir testweise mit verschiedenen anderen Hefen vergoren und die Ergebnisse können unterschiedlicher nicht sein. Das geht bis hin zum ultratrockenen Himbeer Cider. Also ein komplett anderes Getränk, obwohl wir nur eine Grundzutat verändert haben. Lange Rede, kurzer Sinn: Da werden auch weitere Versionen kommen.

Welches Bier von euch kam bisher am besten an, also welches ist am beliebtesten?

Das Milk Ice Cream Stout und das Himbeer Blanche haben zumindest mündlich und vom Absatz den meisten Zuspruch bisher. Untappd ist da auch ein ganz guter Indikator. Dort ist allerdings der Kremator auf Platz eins. Sollten wir wohl tatsächlich schnellstmöglich größer verfügbar machen…

Ist in Zukunft eine Kollaboration mit einer anderen Brauerei geplant?

Aktuell haben wir leider noch nichts Konkretes in Aussicht, aber wir hoffen sehr, dass sich demnächst was ergibt. Heiß auf eine Collab sind wir auf jeden Fall!

Ihr wart ja nun schon auf einigen Messen vertreten. Auf welchen Craftbiermessen ist mit euch dieses Jahr noch zu rechnen? (Deutschland u. Ausland)

In den nächsten Monaten sind wir in München Anfang April auf dem Craftbeerfest und Ende Mai in Köln auf dem Craftbeer Festival. Mainz Ende des Jahres ist auch wieder geplant. Mal sehen, was sich noch so ergibt.

Craftbier ist ja aktuell ein sehr dehnbarer Begriff, was versteht ihr darunter?

Heiko: Bier mit natürlichen Zutaten auch jenseits des Reinheitsgebotes von Menschen, die eine Geschichte dazu haben. Lokal verwurzelte Biere, gerne mit einem Platz zum gemütlichen, gemeinsamen Genießen gleich hinter den Lagertanks.

Dirk: Die Definition ist hierzulande ja eher schwierig, aber ich denke der kreative Umgang mit 100% natürlichen Rohstoffen, die Rückbesinnung auf Bier als Genussmittel und dass der Produzent unmittelbar für sein Produkt steht und keine anonyme Firma, machen den Begriff für mich aus.

Nicole: Craftbier steht für mich für handwerklich gebrautes Bier in Brauereien, die nicht vollautomatisiert sind. Aber vor allem für Brauer, die gerne mit hochwertigen Rohstoffen experimentieren um jedes Bier zu etwas Besonderem zu machen.

Welche anderen Brauereien machen für euch so das beste Bier und was ist eure Lieblingssorte?

Heiko: Für Überraschungen ist Omnipollo immer gut (ich erinnere mich an Aniara) ansonsten mag ich es eher hopfig-fruchtig. Z.B. von Frau Gruber oder Lervig Zu einem meiner Lieblingsorte hat sich die Wunderburg 10 in Bamberg entwickelt. Nichts geht über ein Schäufle mit nen AU dazu.

Dirk: Die Kollegen aus UK mit Cloudwater, Alphabet, Wylam stehen bei mir derzeit hoch im Kurs. In Deutschland finde ich gerade die Sachen von Flügge, orcabrau und Sudden Death spannend. Eine spezielle Lieblingssorte hab ich nicht, das wechselt beinahe täglich.

Nicole: Ich habe keine Lieblingsbrauerei bzw. Lieblingssorte. Es gibt so viele gute Biere. Ich als Weißbierfan trinke zurzeit sehr gerne „Der Weizen“ vom Tilman. Geht immer.

Unverhopft

Hallo, damit die Leser erstmal mehr über euch erfahren, stellt euch doch erstmal grob vor.

Tobi: Ich komme ursprünglich aus Österreich, was ja auch ein Bierland ist, sozusagen. Lebe jetzt aber schon seit 7 Jahren in Berlin. Vom Beruf her bin ich Softwareentwickler, hab aber immer schon gerne Bier getrunken und gekocht, also hab ich dann diese beiden Leidenschaften verbunden – auch als Ausgleich zur Computerarbeit.

Abraham: Ich lebe schon länger in Berlin mit zeitlichen Unterbrechungen und arbeite hauptberuflich bei einem großen gemeinnützigen Verein. Ähnlich wie Tobi habe ich einen Technologie- und Wirtschaftshintergrund und sehe das Brauen als leidenschaftliche Freizeitbeschäftigung.

Was genau fasziniert euch so an Craftbier, und was war eure erste Erfahrung damit?

Tobi: Meine erste bewusste Berührung mit Craft Bier war relativ spät. Ich hatte zwar früher auch schon ab und zu besondere Biere getrunken und war fasziniert von der Kreativität der Micro- und Nanobrauereien, allerdings hab ich das nie unter dem Gesichtspunkt “Craft Beer” gesehen. So richtig mit der Szene beschäftigt habe ich mich erst ab 2014, während und nach einem Urlaub in Budapest. Da wurden mir das erste Mal so richtig die Unterschiede und die Vielfältigkeit der speziellen Bierstile klar und da hab ich bewusst unterschiedliche Stile verkostet. Budapest hat übrigens eine ganz wunderbare Craftbier Szene.

Nach diesem Urlaub war mit klar, dass ich auch experimentieren wollte. Mir ein Bier brauen von dem ich sagen kann dass es mein Lieblingsbier ist.

Am meisten fasziniert mich die schier unendliche Kreativität die in der Szene herrscht. Und damit meine ich nicht einfach zufälliges Zusammenmischen von Zutaten.

Das ist vielmehr gezieltes Experimentieren mit Aromen, Farben, Verfahren. Industriebrauer machen das nicht. Die brauen das Massenbier, sei es ein Gösser oder ein Jever, Becks oder Heineken. Unterm Strich schmecken die alle gleich. Nämlich langweilig. Ist vielleicht was gegen den Durst, so wie Mineralwasser, aber Genuss ist das nicht.

Abraham: Ich möchte dem zustimmen was Tobi bereits gesagt hat. Ich bin schon vor fast über einem Jahrzehnt mit Craft Bier in Kontakt gekommen, und zwar auf meinen Reisen in den USA. Ich habe mich allerdings davor bereits auch schon eher für kleinere, in der Regel, lokale Familienbrauereien interessiert statt den Massenbieren weil mir der handwerkliche und nicht industrielle Aspekt immer sehr gefallen hat. Am Craft Bier selbst fasziniert mich am meisten die Kreativität und Vielfalt welche sich mit handwerklicher Kunst vermischt und somit immer für eine Überraschung und Erweiterung und somit auch Entwicklung von Bierstilen ergibt.

Wie seid ihr dazu gekommen, euch selbst an den Sudkessel zu stellen?

Tobi: Wie bereits gesagt, ich liebe kochen und ich trinke gerne besondere Biere. Da war es nur logisch es mal selbst auszuprobieren. Wobei ein Bier zu brauen schon um ein vielfaches komplexer ist als beispielsweise eine Lasagne zu kochen. Es gibt unzählige Parameter an denen man schrauben kann, so viele Varianten der wenigen Basiszutaten, ich würde sagen es ist eine Wissenschaft. Und da muss man sich damit beschäftigen, experimentieren, immer wieder versuchen und lernen. Bis das Ergebnis perfekt ist.

,Abraham: Da wir beide die Leidenschaft teilen und auch schon gemeinsam vor einigen Jahren einen Braukurs besucht haben, hat uns das die initiale Zündung gegebenen, das selbst und häufiger in unseren eigenen Küchen auszuprobieren. 

Was genau war so die Idee hinter euren Bieren und was ist daran das Besondere?

Tobi & Abraham:  Begonnen hat alles mit dem Mate-Bier. Dahinter stand die Idee, 2 gute Dinge miteinander zu verbinden. Den Geschmack der Mate mit der Einzigartigkeit von ausgezeichnetem, handwerklich gebrautem Bier. Die Entwicklungsphase davon hat fast 2 Jahre gedauert, bis wir endlich zufrieden waren und auch ein stabiles Rezept hatten. Bei Mate ist es ja ähnlich wie bei dem Hopfen: Jede Ernte ist da unterschiedlich. Wir wollten jedoch nicht, dass unser Bier jedes Jahr komplett anders schmeckt.

Vom Mate-Bier war der gedankliche Weg dann nicht allzu weit zum Guarana Bier. Die praktische Entwicklung war jedoch ein sehr langer Weg. Vor allem der Geschmack von Guarana ist ein sehr spezieller, der kann dir auch schon mal die Freude am Bier verderben.

Während wir uns also beim Mate Bier eher darauf konzentrierten den Geschmack ins Bier zu bekommen, haben wir beim Ale Comandante versucht uns vor allem auf den positiven Effekt des Guarana-Koffeins zu konzentrieren. Herausgekommen ist ein dunkles Bier das nach dunkler Schokolade und Kaffee schmeckt und dich auch wie ein starker Kaffee wach macht.

Zwischen Mate und Guarana haben wir ein IPA entwickelt, weil wir Zeit hatten und einfach weil das unser Lieblingsbierstil ist. Wir wollten ein IPA, dass uns selbst besser schmeckt als alle anderen IPAs. Und das ist uns gelungen aus unserer Sicht.

Auf welche Biere dürfen wir uns von euch noch so freuen? 

Tobi & Abraham: Wir experimentieren in verschiedenste Richtungen. Zum Beispiel wollen wir ein rotes Double IPA machen. Oder ein richtig gutes alkoholfreies Bier. Da reizt uns die Herausforderung, vor allem im Hobbybrauerbereich ist es extrem schwierig gutes alkoholfreies Bier zu brauen.

Darüber hinaus wollen wir aber auch unsere Linie treu bleiben und Biere machen, die es so nicht überall gibt. Zum Beispiel ein Bier ohne Hopfen, stattdessen mit Kräutern, wie es vor Jahrhunderten bereits gemacht wurde. Da passt dann auch die Assoziation, die manche Leute bei unserem Namen “Unverhopft” haben, nämlich dass da kein Hopfen drinnen ist. Unverhopft steht allerdings für unverfälscht, spannend und handwerklich einzigartig.

Aktuell seid ihr ja noch Gypsybrauer, plant ihr in der Zukunft in einer eigenen Brauerei zu brauen?

Tobi & Abraham: Das ist erstmal nicht geplant. Wir konzentrieren uns lieber auf das, was wir am besten können, und das ist kreativ sein und herausragende Bierrezepte zu entwickeln. Beim Brauen selbst vertrauen wir dann auf die Expertise unserer Freunde und Partner in den Brauereien, zum Beispiel auf Hans von Kühn Kunz Rosen.

Abraham: Wir bevorzugen übrigens den Begriff Kuckucksbrauer weil dieser keine rassistische Missverständlichkeit in sich birgt (auch wenn der Begriff gypsy brewer im Englischen sich verstetigt hat, gibt es trotzdem auch den Begriff cuckoo brewer).

Jetzt eine etwas speziellere Frage: Die Dose ist ja bekanntlich das Beste fürs Bier. Werden neben dem Ale Comandante (Stout) in Zukunft noch weitere Biere in die Dose abgefüllt?

Tobi: Beim Ale Comanadante wollten wir es jetzt einmal probieren. Generell gefällt mit Craft Beer in Dosen ganz gut. Nicht nur dass sich angeblich das Aroma besser hält, da die Dosen absolut lichtgeschützt sind, auch von den Design- und Gestaltungsmöglichkeiten sind Dosen anders als Flaschen.

Ein Nachteil ist in Deutschland derzeit jedoch noch, dass es nicht so viele Dosenabfüller gibt und das ganze vor allem bei kleinen Mengen recht teuer ist. Ich denke aber wir werden auch in Zukunft das eine oder andere Unverhopft Bier in Dosen anbieten.

Abraham: Uns war es wichtig nicht nur auf den Erfahrungen von anderen Craft Bierbrauern aufzubauen, sondern die Dosenabfüllung beim Ale Comandante jetzt selbst auch in der Praxis anzugehen und daraus Erkenntnisse abzuleiten. Ich bin mir der aufgeladenen Diskussion rund um Flasche vs. Dose bewusst und verfolge diese aufmerksam. Was ist umweltfreundlicher? Was ist für das Bier und das Aroma besser? Eine abschließende Meinung habe ich mir dazu noch nicht gebildet.

Craftbier ist ja aktuell ein sehr dehnbarer Begriff, was versteht ihr darunter?

Tobi & Abraham: Wir denken das ist aus den Antworten oben schon recht gut hervorgegangen. In einem Satz würden wir sagen, Craftbier ist die Verbindung aus Kreativität, Mut zur Experimentierfreude und Handwerk. Und Leidenschaft, denn wir sind uns absolut sicher, wenn das Brauen für uns einfach nur ein Job wäre, und keinen Spaß machen würde, dann wären unsere Biere nur halb so gut. Waren jetzt doch 2 Sätze…

Welches Bier oder welche Biersorte mögt ihr am liebsten?

Tobi & Abraham: Ganz eindeutig, IPAs. Generell alle Varianten, am liebsten jedoch irgendwo zwischen 5 und 8 % Alkohol und von Westcoast nach New England. Und wieder zurück…