Unverhopft

Hallo, damit die Leser erstmal mehr über euch erfahren, stellt euch doch erstmal grob vor.

Tobi: Ich komme ursprünglich aus Österreich, was ja auch ein Bierland ist, sozusagen. Lebe jetzt aber schon seit 7 Jahren in Berlin. Vom Beruf her bin ich Softwareentwickler, hab aber immer schon gerne Bier getrunken und gekocht, also hab ich dann diese beiden Leidenschaften verbunden – auch als Ausgleich zur Computerarbeit.

Abraham: Ich lebe schon länger in Berlin mit zeitlichen Unterbrechungen und arbeite hauptberuflich bei einem großen gemeinnützigen Verein. Ähnlich wie Tobi habe ich einen Technologie- und Wirtschaftshintergrund und sehe das Brauen als leidenschaftliche Freizeitbeschäftigung.

Was genau fasziniert euch so an Craftbier, und was war eure erste Erfahrung damit?

Tobi: Meine erste bewusste Berührung mit Craft Bier war relativ spät. Ich hatte zwar früher auch schon ab und zu besondere Biere getrunken und war fasziniert von der Kreativität der Micro- und Nanobrauereien, allerdings hab ich das nie unter dem Gesichtspunkt “Craft Beer” gesehen. So richtig mit der Szene beschäftigt habe ich mich erst ab 2014, während und nach einem Urlaub in Budapest. Da wurden mir das erste Mal so richtig die Unterschiede und die Vielfältigkeit der speziellen Bierstile klar und da hab ich bewusst unterschiedliche Stile verkostet. Budapest hat übrigens eine ganz wunderbare Craftbier Szene.

Nach diesem Urlaub war mit klar, dass ich auch experimentieren wollte. Mir ein Bier brauen von dem ich sagen kann dass es mein Lieblingsbier ist.

Am meisten fasziniert mich die schier unendliche Kreativität die in der Szene herrscht. Und damit meine ich nicht einfach zufälliges Zusammenmischen von Zutaten.

Das ist vielmehr gezieltes Experimentieren mit Aromen, Farben, Verfahren. Industriebrauer machen das nicht. Die brauen das Massenbier, sei es ein Gösser oder ein Jever, Becks oder Heineken. Unterm Strich schmecken die alle gleich. Nämlich langweilig. Ist vielleicht was gegen den Durst, so wie Mineralwasser, aber Genuss ist das nicht.

Abraham: Ich möchte dem zustimmen was Tobi bereits gesagt hat. Ich bin schon vor fast über einem Jahrzehnt mit Craft Bier in Kontakt gekommen, und zwar auf meinen Reisen in den USA. Ich habe mich allerdings davor bereits auch schon eher für kleinere, in der Regel, lokale Familienbrauereien interessiert statt den Massenbieren weil mir der handwerkliche und nicht industrielle Aspekt immer sehr gefallen hat. Am Craft Bier selbst fasziniert mich am meisten die Kreativität und Vielfalt welche sich mit handwerklicher Kunst vermischt und somit immer für eine Überraschung und Erweiterung und somit auch Entwicklung von Bierstilen ergibt.

Wie seid ihr dazu gekommen, euch selbst an den Sudkessel zu stellen?

Tobi: Wie bereits gesagt, ich liebe kochen und ich trinke gerne besondere Biere. Da war es nur logisch es mal selbst auszuprobieren. Wobei ein Bier zu brauen schon um ein vielfaches komplexer ist als beispielsweise eine Lasagne zu kochen. Es gibt unzählige Parameter an denen man schrauben kann, so viele Varianten der wenigen Basiszutaten, ich würde sagen es ist eine Wissenschaft. Und da muss man sich damit beschäftigen, experimentieren, immer wieder versuchen und lernen. Bis das Ergebnis perfekt ist.

,Abraham: Da wir beide die Leidenschaft teilen und auch schon gemeinsam vor einigen Jahren einen Braukurs besucht haben, hat uns das die initiale Zündung gegebenen, das selbst und häufiger in unseren eigenen Küchen auszuprobieren. 

Was genau war so die Idee hinter euren Bieren und was ist daran das Besondere?

Tobi & Abraham:  Begonnen hat alles mit dem Mate-Bier. Dahinter stand die Idee, 2 gute Dinge miteinander zu verbinden. Den Geschmack der Mate mit der Einzigartigkeit von ausgezeichnetem, handwerklich gebrautem Bier. Die Entwicklungsphase davon hat fast 2 Jahre gedauert, bis wir endlich zufrieden waren und auch ein stabiles Rezept hatten. Bei Mate ist es ja ähnlich wie bei dem Hopfen: Jede Ernte ist da unterschiedlich. Wir wollten jedoch nicht, dass unser Bier jedes Jahr komplett anders schmeckt.

Vom Mate-Bier war der gedankliche Weg dann nicht allzu weit zum Guarana Bier. Die praktische Entwicklung war jedoch ein sehr langer Weg. Vor allem der Geschmack von Guarana ist ein sehr spezieller, der kann dir auch schon mal die Freude am Bier verderben.

Während wir uns also beim Mate Bier eher darauf konzentrierten den Geschmack ins Bier zu bekommen, haben wir beim Ale Comandante versucht uns vor allem auf den positiven Effekt des Guarana-Koffeins zu konzentrieren. Herausgekommen ist ein dunkles Bier das nach dunkler Schokolade und Kaffee schmeckt und dich auch wie ein starker Kaffee wach macht.

Zwischen Mate und Guarana haben wir ein IPA entwickelt, weil wir Zeit hatten und einfach weil das unser Lieblingsbierstil ist. Wir wollten ein IPA, dass uns selbst besser schmeckt als alle anderen IPAs. Und das ist uns gelungen aus unserer Sicht.

Auf welche Biere dürfen wir uns von euch noch so freuen? 

Tobi & Abraham: Wir experimentieren in verschiedenste Richtungen. Zum Beispiel wollen wir ein rotes Double IPA machen. Oder ein richtig gutes alkoholfreies Bier. Da reizt uns die Herausforderung, vor allem im Hobbybrauerbereich ist es extrem schwierig gutes alkoholfreies Bier zu brauen.

Darüber hinaus wollen wir aber auch unsere Linie treu bleiben und Biere machen, die es so nicht überall gibt. Zum Beispiel ein Bier ohne Hopfen, stattdessen mit Kräutern, wie es vor Jahrhunderten bereits gemacht wurde. Da passt dann auch die Assoziation, die manche Leute bei unserem Namen “Unverhopft” haben, nämlich dass da kein Hopfen drinnen ist. Unverhopft steht allerdings für unverfälscht, spannend und handwerklich einzigartig.

Aktuell seid ihr ja noch Gypsybrauer, plant ihr in der Zukunft in einer eigenen Brauerei zu brauen?

Tobi & Abraham: Das ist erstmal nicht geplant. Wir konzentrieren uns lieber auf das, was wir am besten können, und das ist kreativ sein und herausragende Bierrezepte zu entwickeln. Beim Brauen selbst vertrauen wir dann auf die Expertise unserer Freunde und Partner in den Brauereien, zum Beispiel auf Hans von Kühn Kunz Rosen.

Abraham: Wir bevorzugen übrigens den Begriff Kuckucksbrauer weil dieser keine rassistische Missverständlichkeit in sich birgt (auch wenn der Begriff gypsy brewer im Englischen sich verstetigt hat, gibt es trotzdem auch den Begriff cuckoo brewer).

Jetzt eine etwas speziellere Frage: Die Dose ist ja bekanntlich das Beste fürs Bier. Werden neben dem Ale Comandante (Stout) in Zukunft noch weitere Biere in die Dose abgefüllt?

Tobi: Beim Ale Comanadante wollten wir es jetzt einmal probieren. Generell gefällt mit Craft Beer in Dosen ganz gut. Nicht nur dass sich angeblich das Aroma besser hält, da die Dosen absolut lichtgeschützt sind, auch von den Design- und Gestaltungsmöglichkeiten sind Dosen anders als Flaschen.

Ein Nachteil ist in Deutschland derzeit jedoch noch, dass es nicht so viele Dosenabfüller gibt und das ganze vor allem bei kleinen Mengen recht teuer ist. Ich denke aber wir werden auch in Zukunft das eine oder andere Unverhopft Bier in Dosen anbieten.

Abraham: Uns war es wichtig nicht nur auf den Erfahrungen von anderen Craft Bierbrauern aufzubauen, sondern die Dosenabfüllung beim Ale Comandante jetzt selbst auch in der Praxis anzugehen und daraus Erkenntnisse abzuleiten. Ich bin mir der aufgeladenen Diskussion rund um Flasche vs. Dose bewusst und verfolge diese aufmerksam. Was ist umweltfreundlicher? Was ist für das Bier und das Aroma besser? Eine abschließende Meinung habe ich mir dazu noch nicht gebildet.

Craftbier ist ja aktuell ein sehr dehnbarer Begriff, was versteht ihr darunter?

Tobi & Abraham: Wir denken das ist aus den Antworten oben schon recht gut hervorgegangen. In einem Satz würden wir sagen, Craftbier ist die Verbindung aus Kreativität, Mut zur Experimentierfreude und Handwerk. Und Leidenschaft, denn wir sind uns absolut sicher, wenn das Brauen für uns einfach nur ein Job wäre, und keinen Spaß machen würde, dann wären unsere Biere nur halb so gut. Waren jetzt doch 2 Sätze…

Welches Bier oder welche Biersorte mögt ihr am liebsten?

Tobi & Abraham: Ganz eindeutig, IPAs. Generell alle Varianten, am liebsten jedoch irgendwo zwischen 5 und 8 % Alkohol und von Westcoast nach New England. Und wieder zurück…