Vesterbro Chinese Food

Sorte: Lager
Brauerei: Mikkeller
Name: Vesterbro Chinese Food
ABV: 4,5 %
Raiting: 8,5/10

Immer häufiger gibt es Biere, denen krasse Gewürzmischungen im Sudkessel hinzugegeben werden. Meist ist es aber auch einfach Pfeffer. Das gibt dem oft fruchtigen Charakter einen super würzigen Beigeschmack und sorgt zudem für geschmackliche Überraschungen auf der Zunge.

Das gerade Mikkeller abgefahrene Sachen macht, bzw. braut ist mittlerweile bekannt.

Heute stelle ich euch in diesem Zuge das Vesterbro Chinese Food vor. Dabei handelt es sich um ein Lager, welches mit grünem Sichuanpfeffer gebraut wurde.

Aussehen:
Im Glas erblickt es in einem dunkel orange mit massiver Schaumentwicklung.

Geruch:
In der Nase sehr dominant Pfeffer, ein wirklich tolles würziges Aroma, dass da in die Nase zieht. Daneben etwas Citrus und Koriander.

Geschmack:
Im Antrunk leicht, schlank und würzig. Der Nachtrunk ist wieder sofort intensiv und fast ausschließlich von Pfeffer und anderen Gewürzen geprägt,
zum Ende hin kommt noch etwas Citrus um die Ecke bevor sich das Bier mit einer geringen Hopfenbittere verabschiedet.

Auf der Zunge hält sich weiterhin ein würziges Aroma.

Fazit: Welch herrlich erfrischend leichtes Bier. Der Pfeffer passt ungemein gut in dieses doch etwas ungewöhnliche aber passende Feierabendbier!

Pilsner v1


Sorte: American Pilsner
Brauerei: Cloudwater Brewing Co.
Name: Pilsner v1
ABV: 5,5 %
Raiting: 8/10

Bei Craftbeer denkt man oft direkt an IPA, es gibt eine Menge Brauereien die das ein oder andere India Pale Ale brauen, so manch andere haben sich sogar darauf spezialisiert.

Aber wie sieht es eigentlich mit Pils aus? Dieser Stil wird vor allem in der Craftbier Szene oft übersehen oder vergessen.
Dabei kann man doch dabei auch einiges experimentieren.

Heute möchte euch in diesem Zuge das Pilsner von Cloud Water vorstellen.

Hierbei handelt es sich um ein American Pilsner mit 5,5 % ABV.

Aussehen:
Ein wunderschönes helles kristallklares gold gelb ziert das Glas, mit einer für das Pilsner gewohnte gut ausgeprägte Schaumkrone.

Geruch:
In der Nase sammeln sich spritzige Citrusaromen, Orange, Grapefruit und etwas Gras.

Geschmack:
Der Nachtrunk gestaltet sich weich und etwas bitter, im Großen und Ganzen aber noch sehr zurückhaltend.

Im Nachgang kommt die Citrusfrucht wieder super zur Geltung, vollgepackt mit Grapefruitaroma und grasigen Nuancen.

Zum Ende hin findet sich das Pils mit seiner artgerechten Hopfenbittere und einem trockenen Finish.

Fazit: Hier zeigt sich, dass es eben auch mal ein gutes Pils sein kann.
Ich finde es toll, dass sich Craftbrauereien so langsam wieder an das Pils hinanwagen.

Auch andere gute Vertreter bei Craft-Pils: Skill Pils von Freigeist Bierkultur, Pils Brosnan von Sudden Death Brewing, Fastsmoker von Wildwuchs, Beverly Pils von Mashsee, Pepper Pils von Welde & Himburgs Braukunstkeller.

Testbräu

Hallo, auf eurer Website erhält man schon einen groben Einblick über euch und eure Berufe: Ein Ingenieur, eine Biochemikerin und ein OP-Pfleger. Das ist ja ein bunter Mix an verschiedensten Aufgabenbereichen. Nun vereint euch das Bier. Wie habt ihr euch gefunden? Und wo habt ihr euch das erste Mal getroffen?

Um 2010, damals noch im Rahmen von elektronischer Clubmusik. Über gemeinsame Stammtisch- und Brauereibesuche, lokal wie auch international entwickelte sich die gemeinsame Leidenschaft. Wobei es sicher für jeden einzelnen eine Initialzündung gab:

Nicole: Der Moment der Geschmacksoffenbarung; das Bier vielfältiger sein kann als bisher angenommen erlebte ich auf der BKL mit dem ersten Schluck vom Simco3 von Riegele.

Dirk: Das dumpfe Gefühl, dass da noch mehr gehen muss als Weißbier, Helles und Pils. Finale Initialzündung war dann das Riegele Simco3 auf der Braukunst Live 2014.

Heiko: Besuch der BrewDog Brauerei in Ellon.

Was genau fasziniert euch so an Craftbier?

Heiko: geschmackliche Vielfalt, Überraschungen und Herausforderungen, Geschichten dazu und die Menschen dahinter, Verpackungsdesign.

Dirk: Im Prinzip all das was Heiko beschreibt. Vor allem die Nahbarkeit der Akteure. Im Idealfall kann man direkt mit den Brauern auf Messen oder bei Meet-The-Brewer Events über ihr Produkt sprechen. Dann die Kreativität mit der die Rohstoffe eingesetzt werden. Selbst wenn man bei den vier RHG-Zutaten bleibt, entstehen durch den kreativen Einsatz (oder die maßlose Übertreibung) völlig neue Geschmackserlebnisse.

Nicole: Das Handwerk. Mich als Labormaus faszinieren die biochemischen Abläufe. Auf der einen Seite die Herausforderung ein Bier immer wieder mit der gleichen Qualität herzustellen. Auf der anderen Seite stets neue Biersorten zu kreieren indem man nur wenige „Stellschrauben“ bzw. Rohstoffe verändert.

Wie seid ihr dazu gekommen, euch selbst an den Sudkessel zu stellen?

Heiko: Nach den ersten Geschmacksüberraschungen und der Erkenntnis, dass Bier nicht zwangsläufig Einheitsgeschmack bedeutet, habe ich mich mit dem Herstellungsprozess und den Zutaten beschäftigt. Von da war es nicht mehr weit.

Dirk: Heiko ist schuld! Hätte er nicht den allerersten Küchensud gemacht (und vermeintlich in den Sand gesetzt), hätte ich womöglich nie damit angefangen. Zwei Braukurse später hab ich mich dann auch an den Einkocher gewagt. Dass wir das Ganze in größerem, kommerziellen Maßstab machen, daran ist eigentlich die Bierkanzlei in Halle „schuld“, die unser Milk Stout für das Laternenfest aus dem Fass ausschenken wollten. Das war so der letzte Push.

Nicole: Ursprünglich standen wir ja mal wieder zu dritt auf einer Messe und haben nach diversen Bierproben beschlossen, dass wir in 2 Jahren als Aussteller auf der Messe stehen. Damals haben wir uns selbst belächelt und nicht ernst genommen, auch wenn es insgeheim für jeden ein Traum war. Dass es jetzt soweit gekommen ist haben wir auch Freunden zu verdanken, die uns angetrieben und Mut gemacht haben unser Hobby und unsere Braueskapaden kommerziell zu betreiben.

Was war die Idee hinter euren Bieren? Was ist daran das Besondere?

Momentan haben wir drei relativ unterschiedliche Biere auf dem Markt, die doch auch recht unterschiedliche Entstehungsgeschichten haben. Wir testen unsere Ideen immer noch in der Küche mit 10-30 Liter Suden bis sie uns zu 100% zusagen. Da wird natürlich viel experimentiert und die Ergebnisse sind auch nicht immer das Gelbe vom Ei. Oder eben doch.

So zum Beispiel das Sorachi Blanche, das eigentlich ein mildes, leichtes Weißbier hätte werden sollen. Da haben wir uns dann aber mit der Hefe vertan und herausgekommen ist ein Bière Blanche, also ein Weizenbier belgischer bzw. nordfranzösischer Art. Zusammen mit der Kräuternote des Hallertauer Sorachi Ace bekommt es Witbier Charakter.

Das Sorachi Blanche Himbeere war mehr oder weniger aus der Not geboren, weil einer der ersten Testsude des Sorachi Blanche recht wenig Stammwürze hatte. Um dem Ganzen etwas mehr Wumms zu verleihen, haben wir eine Ladung Himbeeren in die Nachgärung geschüttet. Das war dann so gut, dass wir auch das groß gebraut haben. Ohne Kompromisse was die Menge an Himbeeren angeht. Da würde das BWLer Herz weinen. Zum Glück hat keiner von uns eins.

Das Milk Ice Cream Stout fußt auf einem unserer aller ersten Rezepte, einem kräftigen Milk Stout. Wie schon erwähnt haben wir das Rezept dann für unseren allerersten großen Sud für ein sommerliches Straßenfest dahingehend abgewandelt, dass es leichter ist und auch im Sommer ganz gut geht. Die Kombination von Pale Chocolate Malz und der Laktose ergibt ein Aroma, das einem Milcheis ziemlich nahe kommt. Achso: wenn man es mit einer Kugel Vanilleeis floatet hat man alkoholischen Eiskaffee. So als Tipp wenn es wieder wärmer wird.

Ihr habt ja schon eine ganze Bandbreite an Bieren gebraut. Auf welche Biere dürfen wir uns von euch noch so freuen?

Das Blanche Rezept ist die ideale Leinwand, um einzelne Hopfen zu präsentieren. Angefangen haben wir mit Sorachi Ace, die nächste Version wird ein Single Hop Blanche mit Citra werden. Was dann kommt: Schauen wir mal, aber Belma oder eine der slowenischen Sorten sind in der Diskussion. Unseren Rauchweizenbock Kremator kennen eventuell einige schon von den letzten Messen, der wird auch bald in Flaschen verfügbar sein. Und weil wir ja ursprünglich aus der elektronischen Clubmusik kommen: ein ordentliches Sour, benannt nach DEM Acidhouse Synthesizer TB-303 ist auch in der Testphase. Aciiiid! Unser Sorachi Himbeere haben wir testweise mit verschiedenen anderen Hefen vergoren und die Ergebnisse können unterschiedlicher nicht sein. Das geht bis hin zum ultratrockenen Himbeer Cider. Also ein komplett anderes Getränk, obwohl wir nur eine Grundzutat verändert haben. Lange Rede, kurzer Sinn: Da werden auch weitere Versionen kommen.

Welches Bier von euch kam bisher am besten an, also welches ist am beliebtesten?

Das Milk Ice Cream Stout und das Himbeer Blanche haben zumindest mündlich und vom Absatz den meisten Zuspruch bisher. Untappd ist da auch ein ganz guter Indikator. Dort ist allerdings der Kremator auf Platz eins. Sollten wir wohl tatsächlich schnellstmöglich größer verfügbar machen…

Ist in Zukunft eine Kollaboration mit einer anderen Brauerei geplant?

Aktuell haben wir leider noch nichts Konkretes in Aussicht, aber wir hoffen sehr, dass sich demnächst was ergibt. Heiß auf eine Collab sind wir auf jeden Fall!

Ihr wart ja nun schon auf einigen Messen vertreten. Auf welchen Craftbiermessen ist mit euch dieses Jahr noch zu rechnen? (Deutschland u. Ausland)

In den nächsten Monaten sind wir in München Anfang April auf dem Craftbeerfest und Ende Mai in Köln auf dem Craftbeer Festival. Mainz Ende des Jahres ist auch wieder geplant. Mal sehen, was sich noch so ergibt.

Craftbier ist ja aktuell ein sehr dehnbarer Begriff, was versteht ihr darunter?

Heiko: Bier mit natürlichen Zutaten auch jenseits des Reinheitsgebotes von Menschen, die eine Geschichte dazu haben. Lokal verwurzelte Biere, gerne mit einem Platz zum gemütlichen, gemeinsamen Genießen gleich hinter den Lagertanks.

Dirk: Die Definition ist hierzulande ja eher schwierig, aber ich denke der kreative Umgang mit 100% natürlichen Rohstoffen, die Rückbesinnung auf Bier als Genussmittel und dass der Produzent unmittelbar für sein Produkt steht und keine anonyme Firma, machen den Begriff für mich aus.

Nicole: Craftbier steht für mich für handwerklich gebrautes Bier in Brauereien, die nicht vollautomatisiert sind. Aber vor allem für Brauer, die gerne mit hochwertigen Rohstoffen experimentieren um jedes Bier zu etwas Besonderem zu machen.

Welche anderen Brauereien machen für euch so das beste Bier und was ist eure Lieblingssorte?

Heiko: Für Überraschungen ist Omnipollo immer gut (ich erinnere mich an Aniara) ansonsten mag ich es eher hopfig-fruchtig. Z.B. von Frau Gruber oder Lervig Zu einem meiner Lieblingsorte hat sich die Wunderburg 10 in Bamberg entwickelt. Nichts geht über ein Schäufle mit nen AU dazu.

Dirk: Die Kollegen aus UK mit Cloudwater, Alphabet, Wylam stehen bei mir derzeit hoch im Kurs. In Deutschland finde ich gerade die Sachen von Flügge, orcabrau und Sudden Death spannend. Eine spezielle Lieblingssorte hab ich nicht, das wechselt beinahe täglich.

Nicole: Ich habe keine Lieblingsbrauerei bzw. Lieblingssorte. Es gibt so viele gute Biere. Ich als Weißbierfan trinke zurzeit sehr gerne „Der Weizen“ vom Tilman. Geht immer.

Craftprotz Kreativbierbar

Am Samstag war ich zum ersten Mal in Trier unterwegs, um mir die Stadt anzusehen und natürlich hatte ich auch einen Besuch in der vor kurzem eröffneten „Craftprotz Kreativbierbar“ eingeplant. Die Bar befindet sich ca. 700 Meter von der Porta Nigra entfernt. Schon von außen sieht alles sehr einladend aus.

Man betritt eine schöne, gepflegte, rustikale und gut besuchte Location. Sie bietet viel Platz und schafft trotzdem eine gemütliche und entspannte Atmosphäre.

Die Craftbeerbar bietet 12 verschiedene Biere vom Fass und einige aus der Flasche, in den Größen: 0,5  und 0,33 an.

Vom Fass gibt es aktuell: Holy Cowl von Craftwerk (Tripel), Dunkel von Kraft Bräu, Let Me Be Your Hero Baby von Sudden Death (NEIPA), Hop Drop Sour von Lervig (Sour IPA), Beverly Pils und Oma Lene (Winter Ale) von Mashsee, Porter von Zils.

Zudem gab es an diesem Tag mit der Hensen Brauerei aus Mönchengladbach ein Tap Takeover. Die Brauerei stellte 5 Biere vom Fass bereit und stand  den Gästen mit Rede und Antwort zur  Verfügung.

Ihre Biere: Alt, Pils, Hopfenschelle (IPA), Schwarzmahler (Coffee Stout), Ofenrohr (Rauchbier).

Die Preise der Fassbiere (0,3)  pendeln sich aktuell zwischen € 3,10 bis € 6,50 ein.

Das Special zur normalen Karte bietet ein Probierbrett aus 4 verschiedenen Bieren (0,1), die man vom Fass wählen kann, plus einem Gläschen Wasser zum Neutralisieren für 7,40 €.

Auch für Gäste, die sich noch hinters Steuer setzen müssen, ist mit einem alkoholfreien IPA, Weißbier und Pils aus der Flasche gesorgt.

Zudem werden Snacks für den kleinen Hunger angeboten.

Der Besitzer Nikola und das freundliche Personal  beraten den Kunden bei Bedarf gut und fachkundig, bevor sie das frisch gezapfte und wohl temperierte Bier an den Tisch bringen.

Eine insgesamt sehr einladende Craftbeerbar, die ich bei meinem nächsten Trip nach Trier, gerne wieder besuchen werde! 

Yeah Yeah Yeah

Übersicht:
Sorte: Brut IPA (DDH)
Brauereien: Magic Rock Brewing &
Wylam
Name: Yeah Yeah Yeah
ABV: 6,5 %
Raiting: 8,5/10

Knochentrocken und sehr fruchtig, das sind die neuen typischen Brut IPA’s! Der Clou: Die Restsüße im Bier wird hier stark reduziert.

Dadurch können dann die fruchtigen Aromen des Hopfens stärker in den Vordergrund drängen. Außerdem soll das Bier so kaum Bittereinheiten enthalten.

Dies geschieht durch speziell eingesetzte  Hefen oder Enzyme.

Zum ersten Mal wurde diese Art des IPA’s 2017 in San Franzisco von Social Kitchen & Brewery gebraut.

Es gibt aktuell einige namhafte deutsche Vertreter dieser Sorte, zum einen Kehrwieder mit ihrem Sonoma IPA, oder auch Yankee & Kraut mit Dry Humor.

Natürlich wird auch mit diesem Bierstil wieder mehr experimentiert, einige setzen dann auch neben Fruchtigkeit auf Würzigkeit, wie bei dem Bier, das ich vorstellen möchte: Das „Yeah Yeah Yeah“, DDH Brut IPA, ein Collabsud von Magicrock Brewing und Wylam aus England.

Das Brut IPA geht hellorange mit wenig Schaumentwicklung im Glas auf.

In der Nase riecht es nach Ananas, Litschi und Mango, zudem aber auch würzig nach Zimt und Pfeffer, dazu gesellt sich eine leichte Piniennote.

Im Antrunk gestaltet sich das Brut weich und mild, im Nachtrunk bündelt sich wieder das fruchtige mit dem würzigen. Zuerst kommt es etwas harzig daher, dazu ein leichtes Zimtaroma und etwas stärker Pfeffer. Zum Ende hin zeichnet sich eine überragende Mangonote ab und das IPA wird mit einem knochentrockenen Abschluss veredelt.

Fazit: Ein tolles Brut IPA mit spannenden Geruchs- und Geschmackskomponenten. Ein fruchtig-würziges IPA mit trockenem Abgang trinkt man nicht alle Tage, ich kann es getrost jedem empfehlen, der diesen Stil mag oder mal ausprobieren möchte.

Unverhopft

Hallo, damit die Leser erstmal mehr über euch erfahren, stellt euch doch erstmal grob vor.

Tobi: Ich komme ursprünglich aus Österreich, was ja auch ein Bierland ist, sozusagen. Lebe jetzt aber schon seit 7 Jahren in Berlin. Vom Beruf her bin ich Softwareentwickler, hab aber immer schon gerne Bier getrunken und gekocht, also hab ich dann diese beiden Leidenschaften verbunden – auch als Ausgleich zur Computerarbeit.

Abraham: Ich lebe schon länger in Berlin mit zeitlichen Unterbrechungen und arbeite hauptberuflich bei einem großen gemeinnützigen Verein. Ähnlich wie Tobi habe ich einen Technologie- und Wirtschaftshintergrund und sehe das Brauen als leidenschaftliche Freizeitbeschäftigung.

Was genau fasziniert euch so an Craftbier, und was war eure erste Erfahrung damit?

Tobi: Meine erste bewusste Berührung mit Craft Bier war relativ spät. Ich hatte zwar früher auch schon ab und zu besondere Biere getrunken und war fasziniert von der Kreativität der Micro- und Nanobrauereien, allerdings hab ich das nie unter dem Gesichtspunkt “Craft Beer” gesehen. So richtig mit der Szene beschäftigt habe ich mich erst ab 2014, während und nach einem Urlaub in Budapest. Da wurden mir das erste Mal so richtig die Unterschiede und die Vielfältigkeit der speziellen Bierstile klar und da hab ich bewusst unterschiedliche Stile verkostet. Budapest hat übrigens eine ganz wunderbare Craftbier Szene.

Nach diesem Urlaub war mit klar, dass ich auch experimentieren wollte. Mir ein Bier brauen von dem ich sagen kann dass es mein Lieblingsbier ist.

Am meisten fasziniert mich die schier unendliche Kreativität die in der Szene herrscht. Und damit meine ich nicht einfach zufälliges Zusammenmischen von Zutaten.

Das ist vielmehr gezieltes Experimentieren mit Aromen, Farben, Verfahren. Industriebrauer machen das nicht. Die brauen das Massenbier, sei es ein Gösser oder ein Jever, Becks oder Heineken. Unterm Strich schmecken die alle gleich. Nämlich langweilig. Ist vielleicht was gegen den Durst, so wie Mineralwasser, aber Genuss ist das nicht.

Abraham: Ich möchte dem zustimmen was Tobi bereits gesagt hat. Ich bin schon vor fast über einem Jahrzehnt mit Craft Bier in Kontakt gekommen, und zwar auf meinen Reisen in den USA. Ich habe mich allerdings davor bereits auch schon eher für kleinere, in der Regel, lokale Familienbrauereien interessiert statt den Massenbieren weil mir der handwerkliche und nicht industrielle Aspekt immer sehr gefallen hat. Am Craft Bier selbst fasziniert mich am meisten die Kreativität und Vielfalt welche sich mit handwerklicher Kunst vermischt und somit immer für eine Überraschung und Erweiterung und somit auch Entwicklung von Bierstilen ergibt.

Wie seid ihr dazu gekommen, euch selbst an den Sudkessel zu stellen?

Tobi: Wie bereits gesagt, ich liebe kochen und ich trinke gerne besondere Biere. Da war es nur logisch es mal selbst auszuprobieren. Wobei ein Bier zu brauen schon um ein vielfaches komplexer ist als beispielsweise eine Lasagne zu kochen. Es gibt unzählige Parameter an denen man schrauben kann, so viele Varianten der wenigen Basiszutaten, ich würde sagen es ist eine Wissenschaft. Und da muss man sich damit beschäftigen, experimentieren, immer wieder versuchen und lernen. Bis das Ergebnis perfekt ist.

,Abraham: Da wir beide die Leidenschaft teilen und auch schon gemeinsam vor einigen Jahren einen Braukurs besucht haben, hat uns das die initiale Zündung gegebenen, das selbst und häufiger in unseren eigenen Küchen auszuprobieren. 

Was genau war so die Idee hinter euren Bieren und was ist daran das Besondere?

Tobi & Abraham:  Begonnen hat alles mit dem Mate-Bier. Dahinter stand die Idee, 2 gute Dinge miteinander zu verbinden. Den Geschmack der Mate mit der Einzigartigkeit von ausgezeichnetem, handwerklich gebrautem Bier. Die Entwicklungsphase davon hat fast 2 Jahre gedauert, bis wir endlich zufrieden waren und auch ein stabiles Rezept hatten. Bei Mate ist es ja ähnlich wie bei dem Hopfen: Jede Ernte ist da unterschiedlich. Wir wollten jedoch nicht, dass unser Bier jedes Jahr komplett anders schmeckt.

Vom Mate-Bier war der gedankliche Weg dann nicht allzu weit zum Guarana Bier. Die praktische Entwicklung war jedoch ein sehr langer Weg. Vor allem der Geschmack von Guarana ist ein sehr spezieller, der kann dir auch schon mal die Freude am Bier verderben.

Während wir uns also beim Mate Bier eher darauf konzentrierten den Geschmack ins Bier zu bekommen, haben wir beim Ale Comandante versucht uns vor allem auf den positiven Effekt des Guarana-Koffeins zu konzentrieren. Herausgekommen ist ein dunkles Bier das nach dunkler Schokolade und Kaffee schmeckt und dich auch wie ein starker Kaffee wach macht.

Zwischen Mate und Guarana haben wir ein IPA entwickelt, weil wir Zeit hatten und einfach weil das unser Lieblingsbierstil ist. Wir wollten ein IPA, dass uns selbst besser schmeckt als alle anderen IPAs. Und das ist uns gelungen aus unserer Sicht.

Auf welche Biere dürfen wir uns von euch noch so freuen? 

Tobi & Abraham: Wir experimentieren in verschiedenste Richtungen. Zum Beispiel wollen wir ein rotes Double IPA machen. Oder ein richtig gutes alkoholfreies Bier. Da reizt uns die Herausforderung, vor allem im Hobbybrauerbereich ist es extrem schwierig gutes alkoholfreies Bier zu brauen.

Darüber hinaus wollen wir aber auch unsere Linie treu bleiben und Biere machen, die es so nicht überall gibt. Zum Beispiel ein Bier ohne Hopfen, stattdessen mit Kräutern, wie es vor Jahrhunderten bereits gemacht wurde. Da passt dann auch die Assoziation, die manche Leute bei unserem Namen “Unverhopft” haben, nämlich dass da kein Hopfen drinnen ist. Unverhopft steht allerdings für unverfälscht, spannend und handwerklich einzigartig.

Aktuell seid ihr ja noch Gypsybrauer, plant ihr in der Zukunft in einer eigenen Brauerei zu brauen?

Tobi & Abraham: Das ist erstmal nicht geplant. Wir konzentrieren uns lieber auf das, was wir am besten können, und das ist kreativ sein und herausragende Bierrezepte zu entwickeln. Beim Brauen selbst vertrauen wir dann auf die Expertise unserer Freunde und Partner in den Brauereien, zum Beispiel auf Hans von Kühn Kunz Rosen.

Abraham: Wir bevorzugen übrigens den Begriff Kuckucksbrauer weil dieser keine rassistische Missverständlichkeit in sich birgt (auch wenn der Begriff gypsy brewer im Englischen sich verstetigt hat, gibt es trotzdem auch den Begriff cuckoo brewer).

Jetzt eine etwas speziellere Frage: Die Dose ist ja bekanntlich das Beste fürs Bier. Werden neben dem Ale Comandante (Stout) in Zukunft noch weitere Biere in die Dose abgefüllt?

Tobi: Beim Ale Comanadante wollten wir es jetzt einmal probieren. Generell gefällt mit Craft Beer in Dosen ganz gut. Nicht nur dass sich angeblich das Aroma besser hält, da die Dosen absolut lichtgeschützt sind, auch von den Design- und Gestaltungsmöglichkeiten sind Dosen anders als Flaschen.

Ein Nachteil ist in Deutschland derzeit jedoch noch, dass es nicht so viele Dosenabfüller gibt und das ganze vor allem bei kleinen Mengen recht teuer ist. Ich denke aber wir werden auch in Zukunft das eine oder andere Unverhopft Bier in Dosen anbieten.

Abraham: Uns war es wichtig nicht nur auf den Erfahrungen von anderen Craft Bierbrauern aufzubauen, sondern die Dosenabfüllung beim Ale Comandante jetzt selbst auch in der Praxis anzugehen und daraus Erkenntnisse abzuleiten. Ich bin mir der aufgeladenen Diskussion rund um Flasche vs. Dose bewusst und verfolge diese aufmerksam. Was ist umweltfreundlicher? Was ist für das Bier und das Aroma besser? Eine abschließende Meinung habe ich mir dazu noch nicht gebildet.

Craftbier ist ja aktuell ein sehr dehnbarer Begriff, was versteht ihr darunter?

Tobi & Abraham: Wir denken das ist aus den Antworten oben schon recht gut hervorgegangen. In einem Satz würden wir sagen, Craftbier ist die Verbindung aus Kreativität, Mut zur Experimentierfreude und Handwerk. Und Leidenschaft, denn wir sind uns absolut sicher, wenn das Brauen für uns einfach nur ein Job wäre, und keinen Spaß machen würde, dann wären unsere Biere nur halb so gut. Waren jetzt doch 2 Sätze…

Welches Bier oder welche Biersorte mögt ihr am liebsten?

Tobi & Abraham: Ganz eindeutig, IPAs. Generell alle Varianten, am liebsten jedoch irgendwo zwischen 5 und 8 % Alkohol und von Westcoast nach New England. Und wieder zurück…

Delirium Café Köln

Das Delirium Café in Köln, gut gelegen in der Kölner Altstadt, Salzgasse 2-4. Es ist das erste seiner Art in Deutschland, und hat dort erst seit September 2018 geöffnet.

Eine Bar, die nationale und internationale Craftbiere und Biere anbietet. Sie ist mit 31 ständig wechselnden Hähnen ausgestattet. Darunter natürlich auch verschiedene Biere der Brouwerij Huyghe aus Belgien, aktuell: Früli Strawberry Beer, Delirium Tremens, Delirium Red, Delirium Noctornum, Delirium Noel, La Guillotine, Campus Premium, Delirium Argentum. Zudem eine Menge anderer Biere aus dem In- und Ausland. Von IPA zu Berliner Weiße zu Stouts und Dubbels/Tripels. Zudem sind auch zahlreiche Flaschenbiere erhältlich, darunter auch eine beeindruckende tolle Auswahl an Geuzen und Krieks.


Preislich pendeln sich alle Biere vom Fass aktuell bei 3,50 € bis 6,50 € ein. Die Flaschenbiere variieren, vor allem bei den größeren Flaschen natürlich.
Es gibt einen langen Tresen, zudem aber auch schöne Sitzmöglichkeiten am Tisch. Was ich besonders attraktiv fand: Die gemütliche Sitztribüne mit Blick auf den Tresen und die gesamten Zapfhähne. Ebenfalls interessant aufgefallen, ist das internationale Publikum, das hier angezogen wird. Dort kann man sicherlich einige Stunden verbringen, ohne Langeweile zu empfinden.

Ob mit Freunden oder Familie, da ist sicher für jeden etwas dabei. Aber auch alleine trifft man relativ schnell auf Gleichgesinnte und tolle Gespräche.

Winterwunder

Übersicht:
Sorte: Bock
Brauerei: Vulkan Bräu
Name: Winterwunder
ABV: 7, 1 %

Wie schön, dass es hier zu Lande nun etwas geschneit hat. Dazu kommt das Winterwunder, einer Brauspezialität aus dem Hause Vulkan Bräu doch gerade recht. Neben den üblichen Zutaten kommen hier Zimt, Nelken, Kardamom, Anis und Muskat in den Sud. Also die volle Ladung. Auch wenn Weihnachten längst vorüber ist, passt es auch hervorragend in den Januar.


Dunkelorange mit normal ausgeprägter dichter Schaumkrone lässt es sich im Glas erblicken.
In der Nase sind einige Gewürze sofort heraus zu filtern wie unter anderem Anis, Nelken, Zimt und Kardamom. Der Antrunk gestaltet sich mild und angenehm würzig.
Der Nachtrunk präsentiert sich malzbetont mit starken Noten an Kardamom, Zimt und Nelken.
Eine feine Hopfenbittere beendet das Winterwunder.


Fazit: Die Aromenvielfalt ist hier gut ausgeprägt, wobei für meinen Geschmack die Gewürze vor allem Kardamom vielleicht etwas zu stark auftreten. Trotzdem ein richtig gutes Bier, welches ich auch nochmal trinken würde.
Raiting: 7/10

DDH Pale v2

Übersicht:
Sorte: Pale Ale
Brauerei: Cloudwater
Name: DDH Pale Ale v2
ABV: 5,5 %

Heute möchte ich euch ein Bier von Cloudwater Brew Co aus Manchester, England vorstellen. Dieses Bier wurde speziell für die Beardless Beer Week 2018 gebraut. Ein Craftbeer Festival organisiert von Manchesters Crown & Kettle und Woman on Tap. Denn wie beardless = bartlos schon andeutet, geht es hier um Frauen, die Ideen entworfen oder auch selbst am Sudkessel gestanden haben.


Jetzt zum Bier: Gebraut wurde ein DDH Pale Ale (DDH Pale v2) mit 5,5 % ABV.
Ein tolles Dosendesign erstellt von Nizaket Sinanovska. Der Inhalt spricht Bände. Im Glas ein schönes hellorange mit gut ausgeprägter Schaumkrone.


In der Nase ist es sehr hopfig, zudem florale grasige und harzige Noten. Dazu kommt eine ausgewogene Fruchtigkeit an Manderine, Mango und etwas Citrus.
Der Antrunk ist cremig und weich, der Nachtrunk präsentiert sich kräftig mit viel Manderine und Citrus. Eine gute und nicht zu starke Hopfenbittere beendet den Trinkspaß und lässt das vollmundige Bier sanft zu Ende kommen. Einziger Kritikpunkt ist hier, dass die tollen Fruchtnoten nicht allzulange auf der Zunge haften.


Ein tolles Teil, was sich auf jeden Fall zu kaufen lohnt. Mich hat es geschmacklich etwas an das 7:45 Escaltion von Crew Republic erinnert, vielleicht kennen einige von euch diese tolle Brauerei aus der Nähe von München. Auch wenn es sich dabei um ein Double IPA mit 8,3 % handelt, kam dieses DDH Pale Ale vom Aroma her auf jeden Fall in diese Richtung.

Raiting: 8/10

Shake The World, Freak Out

Übersicht:
Sorte: Milkshake Pale Ale
Brauerei: Ale Browar
Name: Shake the World
ABV: 5,0 %

Heute möchte ich 2 Biere der Brauerei AleBrowar aus Polen vorstellen. Vielleicht ist diese einigen durch den Collab Brew mit Himburgs Braukunstkeller schon bekannt. Sie brauten zusammen das Herr Axolotl, eine Berliner Weiße, die mit Himbeeren verfeinert wurde. Ein wirklich großartgies Bier, welches ich auf der Craftbeermesse in Mainz direkt am Stand verkosten durfte.

Jetzt zu den Bieren: Zum einen das Shake the World, Milkshake Pale Ale und das Freak Out, New England IPA z Marakuja. Beide kommen in der 0.5 Liter Flasche und in einem auffälligen und auch sehr aufwändigen Design, das sehr anspricht.
Das Shake the World, speziell gebraut mit Vanille und Laktose mit 5,0 % ABV besticht durch seine tiefenorangene naturtrübe Farbe mit gut augeprägten cremigen Schaum.

Der Geruch, ist wie der Name schon betitelt stark vanillelastig, dazu treten Früchte an Mango und Pfirsisch.
Der Antrunk präsentiert sich leicht süsslich und cremig. Im Nachtrunk bilden sich neben Vanille auch jetzt milkshakeartige Noten durch. Die Frucht verblasst hier etwas, es sind aber noch Nuancen von Mango zu spüren. Das Bier findet sein Ende mit einer angenehmen Hopfenbittere, währenddessen können sich die Aromen noch gut auf der Zunge halten.


Abschließend ist zu sagen, das das Bier sehr aromareich und die Zugabe von Vanille und Laktose üppig war. Es war wirklich mal etws anderes, aber ich wäre wahrscheinlich auch mit weniger Inhalt zufrieden gewesen, da es die Geschmacksnerven stark beansprucht. Raiting: 8/10

Übersicht:
Sorte: NEIPA
Brauerei: Ale Browar
Name: Freak Out
ABV: 5,2 %


Das Freak Out mit 5,2 % ABV als NEIPA hat im Vergleich zu anderen Bieren seiner Art deutlich weniger Alkoholgehalt.
Es wurde, wie auch hier der Name vermuten lässt, mit Maracuja gebraut.
Farblich ist es vom Milkshake IPA
kaum zu unterscheiden, hat auch die gleiche üppige Schaumkrone.


Geruchstechnisch prägt sich hier eine ganze Palette an Aromen aus. Bestechende Säuerlichkeit plus hervorgehobene Fruchtigkeit der Passionsfrucht, die wirklich gut durchkommt. Was jedoch nicht verwunderlich ist, da diese ja hinzu gegeben wurde. Außerdem kommen noch Zitrusfrüchte hinzu. Das Bier strahlt zudem eine tolle Frische aus.


Geschmacklich wirkt es auch hier wieder cremig und weich, und es kommt zu einer soliden Fruchtigkeit. Insgesamt könnte es aber auch noch mehr Power an Frucht geben, das fällt leider noch etwas flach aus. Auch hier wird, wie oft gewohnt bei diesem Bierstil an der Hopfenbittere gespart.


Abschließend ist hier zu sagen, dass der Geruch mehr versprochen hat als der Geschmack. Die Fruchtigkeit war gut vorhanden, hätte aber gerne ausgeprägter und kräftiger sein können. Jedoch trotzdem ein gutes Bier, dass man sich ab und an gerne gönnen kann und dabei keineswegs etwas falsch macht.

Raiting: 7/10